Orthopädie-Schuhmachermeister/in HFP

Alles, was du über diesen Beruf wissen musst

Worüber du dich hier informieren kannst

  • Deine Tätigkeit als Orthopädie-Schuhmachermeister/in HFP
  • Hinweis
  • Informationen zur Ausbildung
  • Herausforderungen im Berufsalltag
  • Wichtige Kompetenzen
  • Lohn als Orthopädie-Schuhmachermeister/in HFP
  • Zukunftsperspektiven & Weiterbildungen als Orthopädie-Schuhmachermeister/in HFP
  • Arbeitsmarkt & Trends
  • Tipps & Tricks

Deine Tätigkeit als Orthopädie-Schuhmachermeister/in HFP

Als Orthopädie-Schuhmachermeister/in HFP führst du ein orthopädieschuhtechnisches Atelier oder übernimmst leitende Aufgaben in Klinik, Betrieb oder Rehazentrum. Du berätst Patient:innen, Ärztinnen/Ärzte sowie Kostenträger und entwickelst individuelle Lösungen für Einlagen, orthopädische Mass- und Serienschuhe sowie Schuhzurichtungen. Mit modernsten Abformtechniken, 3D-Scanning, CAD/CAM-Verfahren und Bewegungsanalysen erfasst du exakte Fussdaten und fertigst hochwertige Hilfsmittel, die sowohl funktional als auch ästhetisch überzeugen. Neben der handwerklich-technischen Arbeit verantwortest du Organisation, Finanzen, Personalführung, Marketing und die Kommunikation mit Sozialversicherern.

Alltägliche Aufgaben
  • Führen oder Leiten eines orthopädieschuhtechnischen Ateliers
  • Individuelle Beratung von Patient:innen zu Funktion, Material, Farbe und Gestaltung
  • Herstellung und Anpassung von orthopädischen Mass- und Serienschuhen
  • Fertigung orthopädischer Einlagen und Schuhzurichtungen
Medizinisch/Technische Aufgaben
  • Erfassung der Fussdaten mit modernsten Abformtechniken und 3D-Scanning
  • Einsatz von CAD/CAM und video-basierten Bewegungsanalysen
  • Anfertigung orthetischer/prothetischer Innenschuhe
  • Umsetzung fachärztlicher Verordnungen bei schweren Deformationen
Kaufmännisch/Administrativ
  • Erstellung von Kostenvoranschlägen und Offerten
  • Kommunikation mit Sozialversicherern und Führen der Korrespondenz
  • Buchhaltung, Zahlungsverkehr, Personalführung und Organisation
  • Entwicklung und Umsetzung von Marketingkonzepten
Kreativ/Ästhetisch
  • Gestaltung der Hilfsmittel nach ästhetischen Kriterien
  • Auswahl geeigneter Materialien und Farben
  • Balance von Funktionalität, Komfort und Design
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Hinweis

Die Vorbereitung auf die Höhere Fachprüfung (HFP) erfolgt berufsbegleitend über Kurse. Der Bund übernimmt für Absolvent:innen einer HFP auf Antrag bis zu 50% der Kurskosten (max. CHF 10’500.–). Zusätzlich sind für Mitgliedsfirmen Beiträge von CHF 4’000.– aus dem Weiterbildungsfonds möglich (Angaben gemäss Verband/Anbietern).

Informationen zur Ausbildung

Die Vorbereitung auf die HFP erfolgt berufsbegleitend (typisch 3 Jahre) in Form von Kursen. Voraussetzung sind eine abgeschlossene Grundbildung als Orthopädieschuhmacher/in EFZ mit Praxis oder eine abgeschlossene HFP als Schuhmachermeister/in mit anschliessender Praxis. Informationen zu Prüfungsordnung, Wegleitung und Kursangeboten stellt der Verband Fuss & Schuh (u. a. Bildungszentrum Zofingen) bereit.

Voraussetzungen
  • EFZ als Orthopädieschuhmacher/in und 4 Jahre Berufspraxis in einem orthopädieschuhtechnischen Atelier
  • oder: HFP als Schuhmachermeister/in und 2 Jahre Berufspraxis im orthopädieschuhtechnischen Atelier (nach Abschluss der HFP)
  • Zusätzlich bei Prüfungsantritt: Spezialist/in Orthopädieschuhtechnik BP zusammen mit dem SIU-Diplom für Unternehmensführung (gemäss Gateway)
  • Persönliche Anforderungen: technisches Geschick, Sinn für Formen und Farben, sorgfältige Arbeitsweise, Kunden- und Serviceorientierung, Führungs- und Teamfähigkeit, Freude an administrativen Aufgaben
Dauer

In der Regel 3 Jahre, berufsbegleitend (Vorbereitungskurse).

Schulische Bildung & Vorbereitung

Die Qualifikationen werden in der Regel in Kursen erworben; Prüfungsordnung und Wegleitung beim Verband Fuss & Schuh. Bildungsangebote u. a. am Bildungszentrum Zofingen.

Berufliche Praxis

Erforderliche Praxiszeit je nach Vorbildung (4 Jahre nach EFZ oder 2 Jahre nach HFP Schuhmachermeister/in) in einem orthopädieschuhtechnischen Atelier.

Geprüfte Fächer & Abschluss
  • Patientenbedienung, orthopädische Mass- oder Serienschuhe
  • Orthetischer oder prothetischer Innenschuh
  • Orthopädische Schuheinlagen und Schuhzurichtungen
  • Anatomie, Pathologie, Fachkenntnisse, Betriebsführung
  • Abschluss: eidg. anerkanntes Diplom „Orthopädie-Schuhmachermeister/in“
Quereinstieg

Ein Quereinstieg ist möglich, sofern die geforderte Vorbildung und Berufspraxis gemäss Prüfungsordnung erfüllt werden.

Herausforderungen im Berufsalltag

Funktion und Design balancieren

Komplexe Patientenfälle

Exaktheit und Verantwortungsdruck

Kommunikation mit Kostenträgern

Zeitaufwendige Administration

Technologie schnell im Wandel

Wertschätzung von Handwerk schwankt

Individuelle Lösungen erarbeiten

Wichtige Kompetenzen

  • Technisches Verständnis & manuelles Geschick

    Präzise Arbeit an Massschuhen, Einlagen und Zurichtungen.

  • Interesse an Gesundheitsfragen

    Solide Kenntnisse in Anatomie, Pathologie und Biomechanik.

  • Führung & kaufmännisches Gespür

    Organisation, Finanzen, Personalführung und Marketing im Griff.

  • Sorgfalt und Ausdauer

    Exaktes Arbeiten von der Abformung bis zur Endanpassung.

  • Sinn für Formen und Farben

    Funktionalität mit Ästhetik verbinden.

  • Kommunikationsstärke & Empathie

    Patient:innen beraten und mit Ärzt:innen sowie Kostenträgern abstimmen.

  • Interesse an textilen Materialien

    Materialkunde für Komfort, Halt und Langlebigkeit.

  • Digitale Kompetenz

    3D-Scanning, CAD/CAM und Bewegungsanalysen sicher anwenden.

Lohn als Orthopädie-Schuhmachermeister/in HFP

Die folgenden Lohnwerte sind Schätzungen für die Schweiz und orientieren sich am höheren Verantwortungs- und Qualifikationsniveau der HFP im Vergleich zum EFZ:

  • 0–2 Jahre nach HFP: CHF 5’500 – 6’500/Monat
  • 3–5 Jahre nach HFP: CHF 6’500 – 7’500/Monat
  • 6–11 Jahre nach HFP: CHF 7’500 – 8’500/Monat
  • 12+ Jahre nach HFP: CHF 8’500 – über 9’500/Monat

Der tatsächliche Lohn variiert je nach Region, Betriebsgrösse, Aufgabenprofil, Spezialisierung, Führungsverantwortung und ob du angestellt oder selbstständig tätig bist.

Zukunftsperspektiven & Weiterbildungen als Orthopädie-Schuhmachermeister/in HFP

Mit der HFP eröffnen sich dir Leitungsfunktionen, Spezialisierungen und der Weg in die Selbstständigkeit. Ergänzende Weiterbildungen stärken deine technische, medizinische und betriebswirtschaftliche Kompetenz.

Zukunftsperspektiven ohne Weiterbildung:

Über Erfahrung und Leistung kannst du dich zur Atelierleitung entwickeln, Spezialgebiete übernehmen oder deinen Betrieb auf- und ausbauen.

Spezialisierung im Berufsalltag

Mit wachsender Erfahrung kannst du dich in Bereichen wie diabetischer Fuss, orthetische/prothetische Innenschuhe, Bewegungsanalyse oder Materialkunde profilieren – auch ohne formale Zusatzabschlüsse.

Team- und Betriebsführung

Du übernimmst mehr Verantwortung in Personalführung, Organisation und Qualitätssicherung und entwickelst Prozesse sowie Marketingkonzepte weiter.

Selbstständigkeit/Atelierleitung

Mit unternehmerischer Praxis kannst du ein Atelier leiten oder ein eigenes Geschäft führen und dein Angebot strategisch ausbauen.

Zukunftsperspektiven mit Weiterbildung:

Von der Berufsprüfung BP als Grundlage zur HFP über betriebswirtschaftliche Vertiefungen bis zu Studiengängen an Fachhochschulen – du kannst dein Profil gezielt erweitern.

Berufsprüfung BP

Spezialist/in Orthopädieschuhtechnik BP

Vertieftes fachliches Fundament in Orthopädieschuhtechnik; in Kombination mit dem SIU-Diplom für Unternehmensführung eine zentrale Voraussetzung für den Antritt zur HFP.

Höhere Fachprüfung (HFP)

Orthopädie-Schuhmachermeister/in HFP

Du befindest dich mit diesem Abschluss bereits auf HFP-Stufe. Weitere Entwicklung erfolgt meist über Spezialisierung, Führung, Management oder den Schritt in die Selbstständigkeit.

Höhere Fachschule (HF)

Bachelor of Arts (FH) in Produkt- und Industriedesign

Erweitert dein Know-how in Designprozessen, Material und Ergonomie. Nützlich für die Gestaltung innovativer orthopädischer Produkte und die Schnittstelle von Handwerk, Hightech und Medizin.

Nachdiplomstufe (HF/FH) in verwandten Bereichen

Gezielte Vertiefungen, z. B. Biomechanik, Material- und Fertigungstechnologien, Gesundheitsökonomie oder Management – je nach Angebot der höheren Fachschulen und Fachhochschulen.

Arbeitsmarkt & Trends

  • Hohe Relevanz durch demografische Entwicklung, Zunahme chronischer Erkrankungen (z. B. diabetischer Fuss) und steigendes Bewusstsein für Prävention.
  • Spannendes Umfeld durch Zusammenspiel von Hightech, Handwerk und Medizin (3D-Scanning, CAD/CAM, Bewegungsanalyse).
  • Leitungs- und Beratungsfunktionen in Ateliers, Kliniken oder Rehaeinrichtungen sind verbreitet; Selbstständigkeit als attraktive Option.
  • Herausforderung: Geringere Wertschätzung von Reparaturen in der Wegwerfgesellschaft – Differenzierung über Qualität und Service.

Tipps & Tricks

  • Dokumentation & Kostenvoranschlag: Sorgfältige Befundaufnahme, transparente Offerten und klare Kommunikation mit Sozialversicherern erleichtern die Kostenübernahme.
  • Up-to-date mit Technologie: Investiere in 3D-Scanning, CAD/CAM und Bewegungsanalysen und halte dein Team auf dem neuesten Stand.
  • Netzwerk pflegen: Enge Zusammenarbeit mit Ärzt:innen, Therapeut:innen und Kliniken stärkt die Zuweisungen.
  • Design trifft Funktion: Achte neben Funktionalität auch auf Material, Farbe und Gestaltung – das steigert Akzeptanz und Tragekomfort.
  • Förderbeiträge nutzen: Plane Weiterbildungskosten und prüfe Subventionen (Bundesbeiträge, Weiterbildungsfonds) frühzeitig.
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